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ФЕНОМЕНЫ СИНХРОННОГО ЯЗЫКОВОГО КОНТАКТА В СИТУАЦИИ ДИГЛОССИИ НА ПРИМЕРЕ НИЖНЕНЕМЕЦКОГО ДИАЛЕКТА

Автор: Цапаева Сабина Юрьевна, студентка 5 курса Факультета лингвистики и межкультурной коммуникации Новгородского государственного университета имени Ярослава Мудрого, г. Великий Новгород.

Статья подготовлена для публикации в сборнике «Актуальные вопросы переводоведения и практики перевода».

 

Ситуация диглоссии является особой ситуацией языкового контакта. Наиболее интересные феномены появляются именно в близкородственных парах языков, таких, например, как диалект и литературный вариант одного языка. Интересно заменить, что ситуация двуязычия в Северной Германии, в частности, в периферии Гамбурга, диаметрально отличается от языковой ситуации градации вариантов языка в Баварии, Швабии и других южных федеральных землях. Таким образом, различны и те процессы, которые, так или иначе, затрагивают системы языков. В данной статье рассматриваются исключительно феномены, порождённые синхронным языковым контактом в районе Кирхвердер юго-востока Гамбурга. В частности, внимание уделяется всевозможным интерференциям на различных уровнях языка, а также проблеме переключения кодов. Автором статьи предлагаются новые модели и определения, касающиеся интерференции и переключения кодов, специально модифицированные для данной пары языковых кодов.

 

SYNCHRONE SPRACHKONTAKTPHÄNOMENE IN DIGLOSSIESITUATION AM BEISPIEL DES NIEDERDEUTSCHEN

Beim vorliegenden Beitrag handelt es sich um die Präsentation einer theoretischen Arbeit auf empirischer Grundlage, die seit Oktober 2009 durchgeführt wird und in diesem Moment das Stadium des Korrekturlesens durchläuft. Betreffend Theorie liegt diesem Projekt das Problem solcher synchroner Sprachkontaktphänomene wie Interferenz (IF) und Codeswitching (CS) bei Diglossie zugrunde. In erster Näherung muss IF als jegliche Form aber auch als Produkt intersprachlicher Beeinflussung beim Sprachkontakt und CS als abwechselnde Verwendung zweier Sprachcodes innerhalb eines Diskurses verstanden werden. Betreffend Empirie basiert diese Arbeit auf einem Untersuchungssample aus bilingualen Sprechern aus der Peripherie von Hamburg.

Zum Objekt der wissenschaftlichen Forschung wurde dieses Problem verhältnismäßig vor kurzem. Man kann behaupten, die Sprachkontaktforschung entspringe im Großen und Ganzen Uriel Weinreichs Arbeit „Languages in contact. Findings and problems“ aus den 60er Jahren. Weitere Erforschung fand Sprachkontakt als Phänomen und seine Konsequenzen auch in 70er, 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhundert, wobei auch heutzutage die Sprachkontaktproblematik nicht aus dem wissenschaftlichen Fokus rückt. Die Sprachkontaktforschung umfasst unterschiedlichste Varianten des Sprachkontakts von Verbindungen und Wechselgebrauch von zwei und mehreren Sprachen bis zu den Mehrsprachigkeitssituationen u.a. Diglossiesituationen betr. Varietäten einer Sprache. Vom besonderen Interesse sind in diesem Sinne die rezenten Sprachkontaktphänomene, die im Zeitalter der Urbanisierung und Globalisierung immer wieder vorkommen. Im Bezug darauf ist die spezifische Sprachenkonstellation in Norddeutschland zu nennen, wo der Hochdeutsch-Einfluss auf die Niederdeutschkompetenz der norddeutschen Bevölkerung immer markanter wird. Verdeutlicht soll das im Rahmen dieses Beitrags, der im Grunde genommen einer Stadtsprache mit rezentem Sprachwandel gewidmet ist.

Dieser Artikel untersucht Sprachkontaktphänomene im hamburgischen Stadtdialekt von Kirchwerder (einem Stadtteil von Hamburg). Hierbei stützt sich die Arbeit auf Datenmaterial (v.a. Aufnahmen), das im Rahmen des seit 2004 laufenden Forschungsprojekts „Hamburgisch: Sprachkontakt und Sprachvariation im städtischen Raum“ in der Abteilung „Niederdeutsche Sprache und Literatur“ am Institut für Germanistik I der Universität Hamburg  (Prof. Dr. Ingrid Schröder, Prof. Dr. Andreas Bieberstedt (Universität Rostock), Dr. Jürgen Ruge) erhoben wurde.

Die theoretische Signifikanz der Arbeit besteht im Versuch, eine verhältnismäßig ganzheitliche Konzeption der sprachlichen Veränderungen bei Diglossie auf verschiedenen Sprachebenen am gegebenen Feldmaterial vorzustellen. Die praktische Signifikanz der Ergebnisse der durchgeführten Forschung besteht in der Möglichkeit ihrer Anwendung bei der Analyse des neuen sprachlichen Materials durch Feldmethoden, aber auch durch die der historischen Sprachwissenschaft entnommenen Methoden.

Jetzt mehr zum Sprachkontakt und den Erscheinungen, die ihn begleiten. Denn es ist wohl bekannt, dass überall, wo es Sprachkontakt gibt, kommt es zu bestimmten Veränderungen auf der einen oder auf beiden Seiten der betroffenen Sprachcodes. Man spricht in diesem Zusammenhang von Interferenzerscheinungen (IF) und Codeswitching (CS).

Die Interferenz (IF) gehört in der Sprachwissenschaft neben der Zweisprachigkeits- und Mehrsprachigkeitsforschung zu den Hauptproblemen der Sprachkontaktforschung. In den russischsprachigen Raum ist IF als Begriff durch die Gelehrten der Prager Schule gekommen. Eine breitere Verwendung hat der Begriff jedoch nach der Veröffentlichung der Monografie von Uriel Weinreich „Languages in contact“ erfahren, welche erste Publikation der New Yorker Schule war.

Der Begriff „Interferenz“ (aus lat. inter „zwischen“ und ferre „tragen, bringen“) wurde ursprünglich nur in Physik verwendet und bedeutete die Überlagerung von Wellen gleicher Frequenz ohne gegenseitige Beeinflussung [Hering / Stohrer 200810, 477]. Zurzeit hat der Begriff seinen festen Platz auch in der Psychologie, Sprachwissenschaft und Fremdsprachendidaktik gefunden.

Doch wird in der psycholinguistischen und didaktischen Literatur der Begriff IF von den Linguisten nicht eindeutig verwendet: die einen verstehen unter IF sowohl positiven, als auch negativen Einfluss des einen Sprachsystems auf das andere, die zweiten - nur den negativen. Solche Diskrepanz der Meinungen kann man mit der Komplexität und Mehrdimensionalität dieses Sprachkontaktphänomens erklären, die besonders bei Diglossie angesagt ist, wo die Sprachen im ständigen Kontakt sind. Zumindest sind sich die Forscher darin einig, dass IF als Sprachkontaktphänomen auf den Kontakt zwischen zwei Sprachen auf gesellschaftlicher oder individueller Ebene bei Zweisprachigkeit zurückzuführen sind.

In diesem Beitrag wird unter IF sowohl der Prozess der Entlehnung als auch ihr Ergebnis verstanden. Der Begriff „Transfer“ wird synonymisch zu IF in beiden Bedeutungen verwendet und nicht wie bei manchen Sprachforschern ausschließlich für das Resultat. Mit anderen Worten wird in diesem Beitrag dem ursprünglichen Begriffsverständnis von Weinreich gefolgt und unter IF überhaupt die Beeinflussung eines Sprachsystems durch ein anderes infolge von Sprachkontakt verstanden.

Normalerweise wird unter IF der dauerhafte Prozess der Entlehnung auf allen Sprachebenen verstanden und daher geht es in der Regel um im Sprachsystem der Empfängersprache etablierte Entlehnungen. In meiner Arbeit verstehe ich unter IF nicht nur solche Erscheinungen, sondern v.a. spontane Ergebnisse der Sprachbeeinflussung. Solche IF-Erscheinungen betrachte ich nicht im Rahmen des Codewechsels, wenn es sich um reine Entlehnungen handelt im Unterschied zu den Situationen, wo offensichtlich CS stattgefunden hat. CS stellt somit keine Art der IF dar.

Um es anschaulich zu machen, möchte ich hier die IF-Erscheinungen anschließend schematisch darstellen. Dabei soll auch verdeutlicht werden, dass bestimmte IF-Erscheinungen nicht direkt den phonetisch-phonologischen oder den morphologischen IF-Erscheinungen zugeordnet werden können, weil sie irgendwo dazwischen liegen:

*gering

Schema 1

Das Problem des Codeswitching (CS) ist eines der aktuellsten und der am meisten besprochenen Probleme der westlichen Sprachwissenschaft der letzten Jahrzehnte. Man kann nicht behaupten, dass sich die russische Sprachwissenschaft mit der Frage des CS gar nicht befasst hat. Aber die Fragen des CS und anderer Sprachkontaktphänomene werden in Russland normalerweise im Rahmen der Entlehnungstheorie oder der bilingualen Forschung betrachtet. Artikel, Aufsätze oder Bücher, die dem Phänomen des CS gewidmet sind, sind nur Einzelfälle. Genau deswegen lohnt es sich umso mehr die ausländischen Studien zu erforschen, um sich zu orientieren, was größtenteils die westlichen Sprachforscher erreicht haben.

Die Entwicklung und Erweiterung der interregionalen und internationalen Kontakte, intensive Migrationsprozesse, die Wechselwirkung der lokalen und Staatssprachen in den ehemaligen Kolonialländern, die modernen Integrationsprozesse und andere extra- und intralinguistische Faktoren bedingten die Erweiterung der Sprachkontakte und darüber hinaus - die Erweiterung der Sphäre der Wechselwirkung der sprachlichen Codes. Die Forschungen des CS stellen auf diese Weise eine „ethnolingusitische Kreuzung“ dar, und der Prozess ihrer Intensivierung geht Hand in Hand mit der Entwicklung der internationalen und  interkulturellen Kontakte und Sprachkontakte. Zu den möglichen Sprachkontaktphänomenen werden Entlehnungen (Borrowing), Pidgins, Kreols aber vor allem CS gezählt.

Es muss betont werden, dass CS kein einheitlich verwendeter Begriff ist, das Phänomen des CS selbst ist jedoch allgemein anerkannt. Unter CS versteht man abwechselnde Verwendung von Elementen zweier oder mehrerer Sprachvarietäten im Rahmen eines kommunikativen Aktes (L.Figueroa) mehr oder weniger bilingualer Sprecher (M.-B.Hansen). Hauptquelle des Sprachmaterials ist in der Regel mündliche spontane Rede, wobei man inoffizielle Sprachsituationen bevorzugt.

Alle zahlreichen und vielfältigen Forschungen der zum größten Teil westlichen Kollegen, die in den letzten Jahrzehnten veröffentlicht wurden, entsprechen dem Schema der Analyse von zwischensprachlichen Wechselwirkungen nach U.Weinreich, dessen Arbeiten man für Ausgangspunkt halten kann. So können wir nach U.Weinreich drei Hauptkomplexe der Faktoren des CS oder eben drei Richtungen der Forschung aussondern: extralinguistische oder soziolinguistische, innere, psycholinguistische und eigentlich linguistische, unter denen wir dann zwischen grammatischen bzw. morphologischen, syntaktischen oder strukturellen bzw. sprachlichsystematischen Fragen bzw. Aspekten unterscheiden müssen.

Nach meinem Definitionsvorschlag wird CS als abwechselnder Gebrauch von Elementen zweier Sprachvarietäten im Rahmen eines kommunikativen Aktes bilingualer Sprecher verstanden, als Switchpunkte werden dementsprechend Grenzen betrachtet, wo Sprachenwechsel stattfindet. D.h. in weitgehender Übereinstimmung mit Hansen-Jaax´ Definition von CS verstehe unter CS den Matrixsprachenwechsel, die Betrachtensweise der Matrixsprache ist dem allgemein bekannten MLF-Modell von Myers-Scotton entnommen. Ich stimme Hansen-Jaax jedoch nicht zu, dass CS ohne jegliche Integration ohne Ausnahmen stattfinden soll.

Im Verlauf der Studie erwies sich, dass es ziemlich problematisch ist, gerade bei solcher Diglossie und Sprachennähe wie bei Dialektpol-Standard-Diglossie IF-Erscheinungen von CS-Erscheinungen eindeutig zu trennen. Manchmal stellt es sogar ein Problem dar, die Matrixsprache im Diskurs zu erkennen, gerade da, wo im Sample das nd. Lexem dem hd. entspricht. Genau deswegen wurde entschlossen vom CS zu sprechen, wo offensichtlicher Sprachenwechsel stattgefunden hat, z.B. im Fall des „Denkfehlers“, aber auch im Fall der nicht stattgefundenen IF. Überdies wurde entschieden, CS und Codeshifting zu trennen, wo Codeshifting als kontinuierliches stufenartiges CS verstanden wird.

Sonst wird meinem Definitionsvorschlag nach zwischen satzinternem (intrasententionalem) und satzübergreifendem (intersententionalem) CS unterschieden. Dem Modell von Myers-Scotton wird auch die Trennung markierte-unmarkierte Wahl (marked vs. unmarked choice) entnommen. Außerdem werden alle möglichen Faktoren für stattgefundenes CS in Betracht gezogen, die bereits Aufmerksamkeit von anderen Linguisten erregt haben.

Um typologisch bzw. syntaktisch mögliche CS-Varianten zu verdeutlichen, wird anschließend ein Schema für CS-Phänomene angeführt ohne weitgehende Berücksichtigung von Motivation des Sprachenwechsels:

Schema 2

Während der Studie bin ich zu bestimmten Schlüssen gekommen. Für die analysierten Aufnahmen ist als charakteristisches Merkmal zu vermerken, dass die bilingualen Sprecher in der Alltagkommunikation die gewählte Sprache nicht konstant beibehalten konnten. Der häufige deutliche Sprachenwechsel erfolgte sowohl zwischen den größeren (Sätzen oder Textabschnitten), als auch kleineren Gesprächsabschnitten (Syntagmen); kompliziertere IF-Erscheinungen auf allen Sprachebenen waren zu bestätigen. Bestimmte Gesetzmäßigkeiten konnten festgestellt werden betr. Motivation des Sprachenwechsels und Transfermechanismen, CS und IF stiftender intra- und extralinguistischer Faktoren.

Problematisch für die gesamte Untersuchung stellte die enge Sprachverwandtschaft des ND und HD dar. Die Sprachkontaktphänomenbefunde  konnten relativ deutlich und in den meisten Zweifelfällen doch eindeutig voneinander gehalten werden und dabei wurde gewisse Abhängigkeit der Sprachenwahl bzw. des Sprachenwechsels von festgelegten Faktoren erkannt worden, nämlich von:

-              Thema des Gesprächs (je mehr Termini vorhanden, desto größer der hd. Anteil; je privater der Themenbereich, desto mehr ND pur etc.);

-              Empfänger bzw. Empfängerwechsel (Adressatenwechsel);

-              Zustand und emotionale Anhänglichkeit zum Gesprächsgegenstand;

-              Zitate als besonderer Faktor;

-              Lücken in nd. Kompetenz.

a) Erstens muss auf die unübersehbare Bedeutung der Themenfrage eingegangen werden. Es ist bestätigt worden, dass ein Zusammenhang zwischen der Sprachenwahl und dem Thema einer Äußerung besteht. Ging der Gesprächsfaden über den privaten bzw. familiären Themenbereich hinaus, stieg die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Sprachkontakterscheinungen und der hd. Anteil wuchs. So wurden Fachausdrücke u.a. aus dem landwirtschaftlichen und technischen Bereich kaum angepasst übernommen und haben demnächst den Redefluss und Sprachenwahl beeinflusst. Dazu können auch folgende Themenbereiche und semantische Felder gezählt werden: Schule und Bildung,  öffentliches Leben, zusammen mit den Realien übernommene Bezeichnungen (Produkte, Erzeugnisse), abstrakte Begriffe (ursprüngliche Fremdwörter). Das Berufsleben erwies sich als eine Art Grenzbereich, denn einerseits gehört es zu den Themen des Vertrauten, andererseits spielte hier die Art des Berufes eine Rolle. Z.B. gab es im vertrauten landwirtschaftlichen Bereich bestimmte Marker u.a. Bezeichnungen für Blumensorten, Gerätebezeichnungen und dgl., die die Äußerung in mehreren Zügen hd. bestimmt haben. Diese Rollenverteilung der Sprachen ist als relativ typisch für solch eine Diglossiesituation anzusehen.

b) Demnächst etwas ausführlicher zur Empfängerfrage. Mit regulärer und deutlich erkennbarer Gesetzmäßigkeit sind praktisch an allen den Stellen CS-Fälle festzustellen, wo Adressatenwechsel stattgefunden hat und wo der Dialektsprecher eine niedrigere bzw. keine ND-Kompetenz des Empfängers vermutet hat. Das führte bei allen GPs dazu, dass sie abrupt und endgültig (bis zum Ende des Sinnabschnittes) zum HD wechselten, normalerweise sogar zum „reinen“ HD ohne nd. IF. In diesem Zusammenhang muss auf die Rolle des Interviewers verwiesen werden, welcher trotz seiner passiven ND-Kompetenz als Nicht-Sprecher bewertet wurde und somit den Kommunikationsfluss offensichtlich beeinflusste. Die beiden CS-Szenarios lassen sich in diesem Fall auf folgende Weise zusammenfassen: unter Einfluss des als ND-Sprecher nicht kompetent wahrgenommenen Gesprächspartners vollzog sich zum Einen Sprachenwechsel parallel zu dem Adressatenwechsel, zum Zweiten kam es zu Wiederholungen im Sinne von Übersetzungen und Übertragungen der nd. Passagen ins HD (Motivation: Erhöhung des Verständigungsgrades).

c) Drittens besteht zwischen Sprachkontakterscheinungen und Emotionen ein enges Verhältnis. Die Emotionen und subjektive Anschauung des Gegenstandes beeinflussten den Denkprozess und somit die Sprachwahl. Beim emotionalen Bezug auf das Gesprächsthema bzw. auf den Gesprächsgegenstand kam es dazu, dass der Code beeinflusst und ständig gewechselt wurde, u.a. kam es zu solchen Sprachkonstellationen, bei denen noch kaum die ML zu bestimmen war.

d) Zum Vierten waren Zitate bei allen Sprechern genau die markierten Stellen, wo geswitcht wurde, logischerweise in dem Fall, wenn ein hd. Text wörtlich vorgetragen und nicht übersetzt wurde. Auffällig dabei war auch, dass die indirekte Rede bzw. Autorenrede dabei in der Regel nd. blieb. Die Sprachwahl im Zitat hat demzufolge die Sprachwahl im vorher oder danach kommenden Abschnitt häufig auf die Weise bestimmt, dass die Sprache im Zitat beibehalten wurde.

e) Zuletzt muss auf nd. Kompetenzlücken verwiesen werden, darunter zumeist in lexikalischen Nischen – morphologische Ebene und syntaktische Konstruktionen wurden weniger betroffen –, die zum Einen mit dem bestimmten Themenbereich (Fachausdrücke u.a. aus dem technischen oder landwirtschaftlichen Bereich) zusammenhängen, zum Anderen wiederum bloß von mangelhafter ND-Kompetenz zeugen und logischerweise zum Sprachenwechsel oder zum hohen IF-Grad führen, darunter sie alte bzw. ursprüngliche Bezeichnungen für allerlei Alltagsgegenstände zu verstehen. Interessant zu bemerken sind die Pausenfüller und Sprechpausen als häufige Begleiter solcher Sprachkontakterscheinungen. Man kann vermuten, dass diese ihrerseits bewusste Sprachwahl belegen im Gegensatz zu den auftretenden Sprachveränderungen aufgrund von emotionaler Aufregung.

Auf solche Weise kam es in der Alltagkommunikation zu folgenden IF-Erscheinungen: Form-Inhalt-Entlehnungen, falschen Verniederdeutschungen, Hyperkorrektismen, Allegroformen und raren Fehlbildungen auf morphologischer und syntaktischer Ebene. Sowohl Fälle mit intra als auch intersententionalem CS, Codeshifting und Missingsch ähnlichen Konstellationen konnten gefunden werden. Dabei blieben bestimmte Wortformen und syntaktische Konstruktionen konstant nd.

Festzuhalten bleibt, dass nicht alle Aspekte des Sprachkontaktes im Rahmen dieser Arbeit in vollem Maße beleuchtet wurden, eine Reihe von Fragen bedarf weiterer Untersuchung. So erfordern Fragen nach Einfluss der Sprecherbiographien auf die Sprachenwahl der Sprecher, etablierten Sprachkontakterscheinungen, früheren Entlehnungen und ihren Wegen, Anglizismen und Amerikanismen, aber auch Einfluss des ND auf HD etc. Aufmerksamkeit. Zum Gegenstand weiterer Forschung sollen u.a. synchrone Sprachkontakterscheinungen in Kommunikationssituationen mit hohem Formalitätsgrad werden.

 

СПИСОКЛИТЕРАТУРЫ

1. Hering, Ekbert / Martin, Rolf / Stohrer, Martin. Physik für Ingenieure. Berlin-Heidelberg: Springer Verlag. 2008.

2.  Myers-Scotton, Carol. Duelling Languages. Grammatical Structure in Codeswitching. Oxford: Claredon Press. 1993.

3. Weinreich, Uriel. Languages in contact. Findings and problems. New York: Publications of the Linguistic Circle of New York 1. 1953.